Page 11 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Juni 2026
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LESERBRIEFE



      Leserbrief



      zum Artikel „Ökonomisierung der ärztlichen Berufstätigkeit“, Ausgabe 4/26, S. 130


      Aufgrund  meines  Alters  und  der  Herkunft  aus  dem  Osten   stehen, dass auch der niedergelassene Arzt an einer Gewinn-
      habe ich zumindest zwei völlig verschieden organisierte Ge-  maximierung  interessiert  ist. Er  ist dabei  durchaus ganz
      sundheitswesen im ärztlichen Beruf erlebt:           ähnlichen inneren Zwängen ausgesetzt wie ein Chefarzt, der
      Eine wirkliche  Änderung der Probleme ohne einen tatsäch-  von seiner Konzernleitung durch Boni unter Druck gesetzt
      lichen Systemwechsel kann ich mir kaum vorstellen. Und ich   wird, die Gewinnmaximierung über das ärztliche Ethos zu
      sehe, sicher im Gegensatz zu sehr vielen Kollegen, den Vor-  stellen. Die Begriffe des freien Berufes und des Gewerbes
      trag von Prof. Maio, den er vor einiger Zeit in Warnemünde   sind dann nicht mehr klar differenzierbar.
      hielt, kritisch. Die Ökonomisierung im Gesundheitswesen   Der ärztliche Beruf wird erst dann wirklich frei im Sinne viel
      besteht eigentlich aus zwei Teilen. Der eine Teil soll helfen,   beschworenen ärztlichen Ethos sein , wenn die ärztliche Tä-
      die  begrenzten  Mittel  einer  Gesellschaft  für  das  Gesund-  tigkeit tatsächlich und in keiner Weise an ein wirtschaftli-
      heitswesen sinnvoll einzusetzen. Er ist notwendig!   ches Ergebnis gekoppelt ist. Das würde bedeuten, dass Ärzte
      Der zweite Teil kann durch das Streben nach Gewinnmaxi-  generell Gehaltsbezieher sein müssten. Auch Boni dürften
      mierung beschrieben werden. Dies ist der eigentlich zu be-  im Gesundheitswesen nicht zugelassen sein. Übrigens wür-
      klagende Missstand. Gewinnmaximierung führt in der Regel   den in einem dergestalt funktionierenden Gesundheitssys-
      zu einer hohen Effizienz, was positiv sein kann und häufig als   tem auch die ganzen Diskussionen um Trennung von ambu-
      Begründung für die Bildung privat geführter Klinikkonzerne   lant und stationär und eine sinnvolle Ressourcenauslastung
      angeführt wird.                                      wegfallen. Das alles Entscheidende ist aber, dass in jedem
                                                           einzelnen von uns irgendwo das Streben nach Gewinnmaxi-
      Der für mich entscheidende Punkt ist der:            mierung angelegt ist. Und diese Seite in uns darf ein gutes
      Das Interesse der Gewinnmaximierung, das Konzerne haben,   System  nicht  bedienen.  Ob  wir  als  verfasste  Ärzteschaft
      ist vom ethischen Selbstverständnis der Ärzteschaft abge-  es schaffen dieses Problem selber zu lösen, wage ich zu be-
      koppelt und dadurch wenig durch ärztliche Skrupel belastet.   zweifeln.
      Bei einem niedergelassenen Arzt hingegen bleiben das er-
      wünschte ärztliche Ethos und das Streben nach Gewinnma-
      ximierung in einer Hand. Trotzdem bleibt die Tatsache be-                   Dr. Thomas Müller, Waren (Müritz)




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      AUSGABE 6/2026 36. JAHRGANG                                                                           Seite 211
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