Page 6 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Juni 2026
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130. DEUTSCHER ÄRZTETAG




                                                                ten. Homöopathie, anthroposophische Medizin und Canabis-
                                                                blüten sollen nicht mehr von der GKV bezahlt werden. Unruhe
                                                                im Auditorium rief die Ankündigung hervor, das Hautkrebs-
                                                                screening auf den Prüfstand zu stellen und Sondervergütun-
                                                                gen in den Arztpraxen abzuschaffen. „Auf der Grundlage von
                                                                Effizienz und Evidenz haben wir ein Paket geschnürt.“ Alle Vor-
                                                                schläge müssten im Blick haben, wie die Finanzierungslücke
                                                                zu schließen sei. Alle Beteiligten müssten ihren Anteil leisten
                                                                – gemessen am Verursacherprinzip und ihrem Anteil an den
                                                                Gesamtausgaben. „Und  ja-  es  ist  eine  gemeinsame  Kraftan-
                                                                strengung. Und ja – es ist eine Zumutung!“ Die Situation lasse
                                                                ihr keine andere Wahl. Von den Versicherten erwartet die Mi-
                                                                nisterin (in Übereinstimmung mit Reinhardt) mehr Eigenver-
                                                                antwortung als deren Beteiligung an der Reform. Im Ergebnis
                                                                wolle Warken keine jährlich wiederkehrende Diskussion um
                                                                steigende Beiträge und damit Handlungssicherheit für alle
                                                                Beteiligten. Die Kürzung des Bundeszuschusses verteidigt die
                                                                Ministerin mit der Haushaltslage und sehr engen Handlungs-
                                                                spielräumen. Sie stehe für mehr Mittel ein, wenn sich die
           Die Träger der Paracelsusmedaille 2026: Dr. Christiane Groß ( 2.v.li),
           Prof. Joachim Grifka (1.v.re.) und die Töchter (Bildmitte) stellvertretend   Spielräume verbessern. Der Aufforderung des Ärztetagspräsi-
           für Prof. Michael P. Manns (†)                       denten zum Innehalten der Reform begegnet Warken mit der
                            Fotos: Christian Glawe-Griebel / helliwood.com  Notwendigkeit, die Finanzierungslücke noch in diesem Jahr
                                                                zu schließen und das Gesetz vor der Sommerpause zu verab-
                                                                schieden. Zum Abschluss hat die Ministerin ihre Vorstellungen
           Prävention ein. Die Belastung des Gesundheitssystems durch   zur Notfallreform und zum Primärarztsystem erläutert, wobei
           gesundheitsschädliche Produkte ist immens; nicht nur aus   sie das Prinzip der Teamleistung von Ärzten und anderen me-
           fiskalischen Gründen wird die Zuckersteuer begrüßt. Suchter-  dizinischen Berufen betont hat. Die Reform der ambulanten
           krankungen bilden mit dem TOP II einen eigenen Schwer-  Versorgung  bedürfe  eines  verpflichtenden  Steuerungsele-
           punkt im Plenum. Die Rede des Präsidenten wurde immer   ments und der Einbindung aller relevanten Akteure. Im Som-
           wieder  von  Beifall  unterbrochen,  abschließend  dankte  ihm   mer  solle  ein  erster  Gesetzentwurf  vorgelegt  werden;  eine
           das Auditorium mit stehenden Ovationen.              längere Frist – als zuletzt von Donnerstag bis Montag – für die
           Ihr sei bewusst, dass die Schonfrist jetzt vorbei ist, erklärte   Stellungnahme wurde zugesichert. Auch die Reform des Me-
           Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zu Beginn ihrer   dizinstudiums und die Novellierung der GOÄ sollen in dieser
           Rede, die im Programm tiefstaplerisch als Grußwort bezeich-  Legislatur verabschiedet werden; die „Dauerbaustelle Entbü-
           net wird. Es ist nicht mehr und nicht weniger als die politische   rokratisierung“ soll in diesem Jahr in Angriff genommen wer-
           Willenserklärung der Ministerin, die erkennbar den Zwängen   den. Mit verhaltenem Beifall wurde Nina Warken vom Podium
           und Grenzen der politischen und ökonomischen Lage ausge-  verabschiedet.
           setzt ist und einen schweren Stand im Kabinett habe. Dies   Wir haben eine Gesundheitsministerin erlebt, deren Körper-
           kommt immer wieder zum Ausdruck, indem sie auf den Zu-  sprache den Druck gezeigt hat, unter dem sie steht und die
           sammenhang zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und So-  erwartungsgemäß die Reform gegen die vielseitigen Angriffe
           zialausgaben  hinweist.  Wiederholt  bringt  sie  auch  die  Not-  verteidigt hat. Und wir haben einen Präsidenten des Ärzteta-
           wendigkeit gemeinsamer Kraftanstrengungen und ihren Wil-  ges erlebt, der sehr sachlich, pointiert und konstruktiv die
           len zur Zusammenarbeit zum Ausdruck. Einig ist sie sich mit   Kritik der Ärzteschaft zum Ausdruck gebracht hat. Mit dem
           dem Präsidenten des Ärztetages, dass es sich bei dem GKV-  gemeinsamen Gesang der Nationalhymne wurde der 130.
           Beitragssatzstabilisierungsgesetz nicht um eine Strukturre-  Deutsche Ärztetag eröffnet.
           form handelt. Es setze jedoch zwei Leitplanken: Einnahmen   Die Berichte aus den Plenarsitzungen lesen Sie im Juliheft des
           orientierte Ausgabenpolitik als DNA der GKV-Finanzierung   Ärzteblattes M-V.
           und nachvollziehbarer Nutzen aller Ausgaben für die Patien-                           Dr. Wilfried Schimanke


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