Page 8 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Juni 2026
P. 8
WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
Replacement Systems (Transkatheter-Trikuspidalklappener- Trikuspidalklappenersatz (TTVR) mit dem EVOQUE™-System
satz) bei einem Patienten mit arrhythmogener rechtsventriku- als Überbrückung bis zu einer möglichen Herztransplantation.
lärer Kardiomyopathie (ARVC) und schwerer funktioneller TI Die Implantation des EVOQUE™-Systems bei einem Patienten
nach frustraner Edge-to-Edge-Therapie (Rekonstruktionsver- mit arrhythmogener rechtsventrikulärer Kardiomyopathie
fahren). stellt den weltweit ersten beschriebenen Fall dar.
Patientenvorstellung Intervention und Verlauf aus ärztlicher Sicht
Der publizierte Fall beschreibt einen 37-jährigen Patienten mit Besondere Herausforderungen waren das deutlich erhöhte Risi-
genetisch gesicherter arrhythmogener rechtsventrikulärer Kar- ko für Herzrhythmusstörungen, die genaue Ausrichtung bei ei-
diomyopathie (ARVC), der sich klinisch mit schwerer sympto- nem stark erweiterten Annulus, die Vermeidung von Störungen
matischer Trikuspidalklappeninsuffizienz (NYHA III), ausgepräg- mit der vorhandenen CRT-D-Sonde sowie die Kontrolle eines
ter rechtsventrikulärer Dilatation mit eingeschränkter systoli- möglichen Afterload-Mismatch. Nach Freisetzung der Prothese
scher Funktion sowie einem implantierten kardialen Resyn- zeigte sich echokardiographisch eine nahezu vollständige Elimi-
chronisationssystem mit Defibrillatorfunktion (CRT-D) präsen- nation der Regurgitation (Grad 0–I) (Abbildung 2 und 3). Der Pa-
tierte (Abbildung 1). tient benötigte kurzfristig vasopressorische Unterstützung, sta-
Die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie ist eine bilisierte sich jedoch rasch. Bereits fünf Tage postinterventionell
genetisch bedingte Myokarderkrankung, charakterisiert durch konnte er in gebessertem Allgemeinzustand (NYHA II) und ohne
fibrofettigen Umbau des rechten Ventrikels, progressive Dilata- Diuretikatherapie entlassen werden. Die Lebensqualität verbes-
tion und eine ausgeprägte arrhythmische Vulnerabilität. Neben serte sich deutlich, was auch nachträglich anhand der KCCQ-
ventrikulären Tachykardien und plötzlichem Herztod spielt die Score-Bestimmung bestätigt werden konnte.
zunehmende rechtsventrikuläre Dysfunktion eine zentrale Rolle Bei schwerer Trikuspidalinsuffizienz fungiert die Regurgitation
im Krankheitsverlauf. Eine funktionelle TI entsteht bei ARVC gewissermaßen als „Druckventil“ für den rechten Ventrikel. Die
häufig sekundär durch Annulusdilatation und Segeltethering plötzliche Beseitigung der Regurgitation erhöht die effektive
infolge der rechtsventrikulären Remodelingprozesse. Eine Nachlast, und bei limitierter rechtsventrikulärer Reserve kann
schwere TI verschlechtert die Prognose zusätzlich durch syste- dies zu einer akuten Dekompensation führen. Eine sorgfältige
mische Stauung, reduzierte Vorwärtsleistung und weitere Belas- hämodynamische Steuerung mit optimiertem Volumenstatus
tung des bereits eingeschränkten rechten Ventrikels. und frühzeitiger Kreislaufunterstützung ist daher essenziell. Vor
Aufgrund der klinischen Situation entschied sich das interdiszi- diesem Hintergrund wurde der Klappenersatz über lange Zeit
plinäre Heart Team für einen transfemoralen Transkatheter- kritisch bzw. zurückhaltend bewertet. Die Pionierarbeit unseres
Teams ist daher von besonderer Bedeutung, da sie zu einem
erweiterten Verständnis dieses Krankheitsbildes beiträgt.
Eine Besonderheit des Trikuspidalkappenersatzes mit dem
EVOQUE™-System besteht darin, dass dieser auch bei bereits
liegenden Schrittmacher- oder ICD-Kabeln möglich ist. In die-
sem Fall kam es jedoch nachträglich zu einer Dysfunktion der
ICD-Sonde. Eine Extraktion war aufgrund der Prothesenveran-
kerung nicht möglich, sodass der Patient übergangsweise mit
einer tragbaren Defibrillatorweste ausgestattet und inzwischen
erfolgreich mit einer neuen ICD-Sonde versorgt wurde.
Intervention und Verlauf aus pflegerischer
Sicht
Patienten, die einem Transkatheter-Trikuspidalklappenersatz
Abbildung 1: Transösophageale Echokardiographie mit Nachweis einer zugeführt werden, befinden sich häufig in einem fortgeschrit-
schweren Trikuspidalinsuffizienz vor Implantation des EVOQUE™- tenen Stadium der Rechtsherzinsuffizienz mit ausgeprägter
Systems. systemischer Stauung. Entsprechend erfordert die pflegerische
Seite 208 ÄRZTEBLATT MECKLENBURG-VORPOMMERN

