Page 15 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Mai 2026
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AUS DEM VORSTAND
Stabilisierung der GKV-Finanzen
Eine vertiefte Diskussion zu den Reformvorschlägen der Finanzkommission Gesundheit
und ihre Bedeutung für M-V
Die Finanzkommission Gesundheit (FKG) hat mit ihrem letzten Jahrzehnt um etwa 2,4 % jährlich wuchs, erhöhten
ersten Bericht vom März 2026 einen ambitionierten, aber sich die deutschen Pro-Kopf-Ausgaben um durchschnittlich
auch umstrittenen Plan vorgelegt, um die finanzielle Sta- 2,5 % p.a. in realen Werten. Diese dynamische Entwicklung
bilität der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab ist auch unter Berücksichtigung der KKP zu beobachten, die
2027 zu sichern. Die Prognosen sind alarmierend: Ohne absolute USD-Werte korrigieren und damit eine realistischere
Reformen würde die Deckungslücke in der GKV schon 2027 Vergleichsbasis bieten. Auch KKP-bereinigt liegt Deutschland
gut 13 Mrd. Euro aufweisen und bis 2030 auf 40,4 Mrd. mit rund 56 % über dem OECD-Mittel, was die hohe finanziel-
Euro anwachsen, was unweigerlich zu höheren Beitrags- le Belastung des deutschen Gesundheitssystems unter-
sätzen und damit zu einer Mehrbelastung der Versicherten streicht.
führen würde. Für ein Flächenland wie Mecklenburg-Vor- Diese Daten verdeutlichen, dass Deutschland nicht nur abso-
pommern (M-V), das bereits heute mit strukturellen Her- lut, sondern auch relativ zum OECD-Durchschnitt eine über-
ausforderungen wie geringer Ärztedichte, langen Versor- proportionale Steigerung der Gesundheitsausgaben erfahren
gungswegen und einer weit unterdurchschnittlichen Kauf- hat.
kraft aber überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit Die Ausgaben der GKV sind in den letzten 15 Jahren deutlich
kämpft, sind die vorgeschlagenen Reformen nicht nur eine gestiegen. 2025 belaufen sich die geschätzten Ausgaben auf
finanzielle, sondern auch eine versorgungspolitische Her- 341,4 Mrd. Euro, gegenüber 298,5 Mrd. Euro 2023 und 209,1
ausforderung. Dieser Artikel beleuchtet die Kernempfeh- Mrd. Euro 2015 (statista). Die Einnahmen des Gesundheits-
lungen der FKG, analysiert ihre möglichen Auswirkungen fonds wuchsen im gleichen Zeitraum von 165,3 Mrd. Euro
auf M-V und diskutiert, wie nach den Vorstellungen des (2009) auf 294,7 Mrd. Euro (2025), konnten jedoch die Ausga-
Vorstandes der Ärztekammer M-V die Reformen sozial ver- bensteigerung nicht vollständig kompensieren.
träglich und regional ausgewogen umgesetzt werden Die Ursache liegt vor allem in der Preiskomponente: In vielen
könnten. Leistungsbereichen – von der ambulanten über die stationä-
re Versorgung bis hin zu Arzneimitteln – steigen die Vergütun-
gen für Leistungserbringer stärker als die Einnahmen der
Die finanzielle Notwendigkeit der Reformen: GKV. Dies führt zu einer Ausgabeninflation, die langfristig die
Warum Handeln unumgänglich ist Beitragssatzstabilität gefährdet.
Ausgaben: Kostenentwicklung in den Teilbereichen
Deutschland nimmt laut Daten der Organisation für wirt- (nur GKV)
schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im in-
ternationalen Vergleich eine Spitzenposition bei den Gesund- ■ Stationär (Krankenhaus): Gesamtausgaben 102,2 Milliar-
heitsausgaben ein. 2025 beträgt die Pro-Kopf-Ausgabe 9.365 den Euro (ca. 32,7 % der Leistungsausgaben), mit einem
USD Kaufkraftparitäten (KKP)-bereinigt, was etwa 56 % über Anstieg von 25,3 % seit 2020 und 65 % seit 2010.
dem OECD-Durchschnitt von 5.967 USD liegt. Dies bedeutet, ■ Medikamente/Arzneimittel: Gesamtausgaben 55,2 Milliar-
dass Deutschland rund 1,56-mal so viel pro Kopf ausgibt wie den Euro (ca. 17,7 % der Leistungsausgaben), mit einem
der OECD-Schnitt. Auch als Anteil des Bruttoinlandsprodukts Anstieg von 23,3 % seit 2020 und 84 % seit 2010.
(BIP) sind die Gesundheitsausgaben mit 12,3 % deutlich hö- ■ Ambulant (ärztliche Behandlung): Gesamtausgaben 50,3
her als der OECD-Durchschnitt von 9,3 %. Milliarden Euro (ca. 16,1 % der Leistungsausgaben), mit
Die Entwicklung der Ausgaben zeigt, dass Deutschland seit einem Anstieg von 14,4 % seit 2020 und 44 % seit 2010.
2010 eine überdurchschnittliche Steigerung der Gesundheits- Zum Vergleich: Die kumulierte Inflationsrate 2024 zu 2020 be-
kosten pro Kopf verzeichnete. Während der OECD-Schnitt im trug 19,3 % und zu 2010 35,3 %. Damit liegen im Vergleich zu
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