Page 18 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Mai 2026
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AUS DEM VORSTAND
sozialen Härten führen. Besonders betroffen wären Lang- gungslücken im ländlichen Raum vergrößern würde. Zu-
zeitarbeitslose oder chronisch Kranke, die aus gesund- dem könnte die Vertrauenskultur zwischen Ärzten und
heitlichen oder sozialen Gründen nicht immer in der Lage Kassen leiden, wenn Ärzte sich übermäßig kontrolliert
sind, die geforderten Mitwirkungspflichten zu erfüllen. fühlen, was die Motivation und Zusammenarbeit beein-
Zudem würde die Umsetzung der Regelung den Verwal- trächtigen könnte.
tungsaufwand für Ärzte, Krankenkassen und den Medizi-
nischen Dienst deutlich erhöhen – erneut eine Arbeitsbe- 10. Absenkung der EBM-Ziffern im Zusammenhang mit Kata-
lastung für Ärzte, die nicht nur in unterversorgten Regio- rakt-OPs (75 Mio. Euro in 2027)
nen schwer zu stemmen sein wird. Der Vorschlag 18 der FKG zielt darauf ab, die Bewertung
des technischen Leistungsanteils im Einheitlichen Bewer-
9. Automatische Erweiterung des Prüfauftrags des Medizini- tungsmaßstab (EBM) für bestimmte ärztliche Leistungen
schen Dienstes (0,45 Mrd. Euro in 2027) – konkret bei Katarakt-Operationen– abzusenken. Hinter-
Der Vorschlag 33 der FKG sieht vor, den Prüfauftrag des grund ist, dass die Vergütung für diese Eingriffe in den
Medizinischen Dienstes (MD) automatisch zu erweitern, letzten Jahren deutlich gestiegen ist, ohne dass sich die
um die Qualität und Wirtschaftlichkeit der medizinischen tatsächlichen Kosten oder der medizinische Aufwand im
Versorgung systematischer zu überwachen. Bisher wird gleichen Maße erhöht hätten. Die Kommission argumen-
der MD vor allem bei konkreten Verdachtsfällen oder tiert, dass die aktuellen Vergütungssätze überhöht seien
stichprobenartig tätig. Künftig soll er regelmäßig und flä- und zu einer unnötigen Belastung der GKV-Finanzen führ-
chendeckend prüfen, ob erbrachte Leistungen – insbe- ten. Durch die Absenkung soll die Vergütung wieder an
sondere im stationären und rehabilitativen Bereich – me- den tatsächlichen Aufwand und die realen Kosten ange-
dizinisch notwendig, evidenzbasiert und kosteneffizient passt werden, um so die Ausgaben der Krankenkassen zu
sind. Ziel ist es, Fehlversorgungen, Übertherapien und reduzieren und die Beitragssatzstabilität zu sichern.
Abrechnungsmanipulationen frühzeitig zu erkennen und Für Mecklenburg-Vorpommern hätte diese Reform sowohl
zu unterbinden, um die Finanzstabilität GKV zu sichern finanzielle als auch versorgungsrelevante Auswirkungen.
und die Versorgungsqualität zu erhöhen. Einerseits könnte die Absenkung der Vergütung für Kata-
Für Mecklenburg-Vorpommern, ein Flächenland mit dün- rakt-OPs die Ausgaben der GKV spürbar entlasten, da die-
ner Besiedlung, Ärztemangel und einer überdurchschnitt- se Operationen zu den häufigsten ambulanten Eingriffen
lich alten Bevölkerung, hätte diese Reform sowohl Vor- als gehören. Andererseits birgt der Vorschlag Risiken für die
auch Nachteile. Einerseits könnte die systematische Prü- Versorgungsqualität und -verfügbarkeit in M-V. Da die Ver-
fung durch den MD dazu beitragen, unnötige oder qualita- gütung für Ärzte und Kliniken sinkt, könnte dies die Wirt-
tiv minderwertige Behandlungen zu reduzieren, was be- schaftlichkeit von Katarakt-OPs in Frage stellen.
sonders Patienten zugute käme, die bisher unnötigen
Eingriffen oder Therapien ausgesetzt waren. Zudem 11. Streichung der vollen Tarifrefinanzierung in der medizini-
könnte die Maßnahme die Finanzlage der GKV entlasten, schen Behandlungspflege und Vorsorge/Rehabilitation
indem sie Überversorgungen und Abrechnungsfehler auf- (0,19 Mrd. Euro in 2027)
deckt. Andererseits würde die automatische Erweiterung Der Vorschlag 57 der FKG sieht vor, die volle Tarifrefinan-
des Prüfauftrags zu einem erheblichen Mehraufwand für zierung in der medizinischen Behandlungspflege und in
Kliniken, Praxen und Reha-Einrichtungen führen. Mehr der Vorsorge/Rehabilitation abzuschaffen. Bisher werden
Zeit und Personal würde für Dokumentation und Prüfun- die Personalkosten in diesen Bereichen vollständig nach
gen aufgewendet – Ressourcen, die für die direkte Patien- Tarif bezahlt, was zu hohen Ausgaben für die GKV führt.
tenversorgung fehlen. Die Kommission argumentiert, dass diese Regelung nicht
Ein weiteres Risiko besteht darin, dass die Verwaltungs- mehr zeitgemäß sei und zu einer übermäßigen Kostenbe-
last für kleinere Praxen und ländliche Kliniken in M-V be- lastung führe. Stattdessen soll die Finanzierung an tat-
sonders hoch wäre, da sie oft weniger Personal für die sächliche Leistungsbedarfe und wirtschaftliche Rahmen-
Abwicklung von Bürokratie haben als große Krankenhäu- bedingungen angepasst werden, um die Ausgaben zu
ser in Ballungsräumen. Dies könnte die Attraktivität des begrenzen und die Beitragssatzstabilität zu sichern.
Standorts weiter verringern und die Schließung von Pra- Für Mecklenburg-Vorpommern hat dieser Vorschlag be-
xen oder Abteilungen beschleunigen, was die Versor- sonders weitreichende Konsequenzen, da das Bundes-
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