Page 19 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Mai 2026
P. 19
AUS DEM VORSTAND
land traditionell als „Reha-Land“ gilt. Mit seinen zahlrei- Die Streichung der Tarifrefinanzierung könnte dazu führen,
chen Kur- und Reha-Einrichtungen - Mecklenburg-Vor- dass Pflegekräfte in kleinen Häusern schlechter bezahlt wer-
pommern beherbergt etwa 7–8 % aller Vorsorge- und den, was die Attraktivität des Berufs in ländlichen Regionen
Rehabilitationseinrichtungen Deutschlands – ist unser weiter verringert.
Land ein wichtiger Standort für Rehabilitation und Vor-
sorge in Deutschland. Die volle Tarifrefinanzierung hat Prävention: Langfristige Entlastung,
dabei eine zentrale Rolle gespielt, um qualifiziertes Perso- aber kurzfristige Belastung
nal zu gewinnen und zu halten – besonders in einer Bran-
che, die von hohem Personalbedarf und anspruchsvollen Die FKG schlägt vor, die Konsumsteuern auf Tabak, Alkohol
Arbeitsbedingungen geprägt ist. bei Spirituosen und für zuckerhaltige Getränke zu erhöhen,
um Mehreinnahmen für die GKV zu generieren. Für M-V könn-
Mecklenburg-Vorpommern im Fokus: te dies langfristig entlastend wirken, da die Krankheitslast
Spezi fische Risiken und Chancen der durch Rauchen, Alkohol und Diabetes in unserem Bundes-
Reformen land besonders hoch ist. Allerdings belasten die höheren
Steuern einkommensschwache Haushalte stärker, was in M-V
Die vorgeschlagenen Reformen der FKG sind bundesweit aus- – einem Bundesland mit überdurchschnittlich hoher Armuts-
gerichtet, doch ihre Auswirkungen auf Flächenländer wie M-V quote – besonders problematisch ist. Außerdem ist zu be-
unterscheiden sich deutlich von denen in Ballungsräumen. fürchten, dass diese zusätzlichen Einnahmen eben nicht dem
Während in Städten wie Hamburg oder München die Versor- Gesundheitssektor zur Verfügung gestellt werden, sondern
gungsdichte hoch ist und Kostendruck dadurch abgefedert damit (alte wie neue) Haushaltslöcher gestopft werden.
werden kann (beispielsweise durch Ausdünnen von regiona-
len Serviceangeboten der Krankenkassen), sind die Heraus- Die Erhöhung der Zuzahlungsbegrenzungen und die Absen-
forderungen in M-V struktureller Natur. kung des Krankengeldes belasten ebenfalls besonders ein-
kommensschwache Haushalte. Hier wäre eine gestaffelte
Die Begrenzung der Vergütungsanstiege und die Streichung Regelung sinnvoll, die soziale Härten abfedert, wie einkom-
von Sondervergütungen bergen besonders Risiken. Die Arzt- mensabhängige Zuzahlungen für Arzneimittel und Heilmittel
praxen sind auf stabile Vergütungen angewiesen. Wenn die und Fortführung von Ausnahmen für chronisch Kranke und
Vergütungsanstiege gebremst werden, könnten diese Praxen Sozialhilfeempfänger.
unwirtschaftlich werden. Die Abschaffung der beitragsfreien
Ehegattenversicherung und die höheren Zuzahlungen trei- Fazit: Stabilisierung ja – aber nicht um jeden
ben die Lohnnebenkosten hoch. Das betrifft z.B. aus Arbeit- Preis
gebersicht geringfügig Beschäftigte, die bisher über den Part-
ner familienversichert sind – hier würde in Zukunft auch der Die Reformvorschläge der Finanzkommission Gesundheit
Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung anzusetzen sein. sind finanziell notwendig, um die GKV langfristig zu stabili-
sieren. Für Mecklenburg-Vorpommern als Flächenland ber-
Die Wiedereingliederung der Pflegepersonalkosten und die gen sie jedoch spezifische Risiken, die soziale Ungleichheit
Streichung der Tarifrefinanzierung könnten für kleine Kran- verschärfen und die Versorgung in ländlichen Regionen ge-
kenhäuser in M-V existenzbedrohend sein. fährden könnten. Die Politik ist gefordert, M-V-spezifische
Viele Krankenhäuser in M-V haben geringe Fallzahlen und Lösungen in die Umsetzung einzubringen.
müssen daher hohe Fixkosten tragen. Wenn die Refinanzie-
rung von Tarifsteigerungen gestrichen wird, könnten diese Dr. Fabian Holbe,
Häuser unwirtschaftlich werden. Dr. Thomas Maibaum,
Die Erweiterung der Fallzusammenführung könnte dazu füh- Mitglieder des Vorstandes der ÄKMV
ren, dass Patienten längere Wege in Kauf nehmen müssen,
um spezialisierte Behandlungen zu erhalten. Für M-V bedeu-
tet dies, dass kleinere Häuser möglicherweise schließen und
die Versorgung in Ballungsräume abwandert – mit höheren
Transportkosten und längeren Wartezeiten.
AUSGABE 5/2026 36. JAHRGANG Seite 175

