Page 21 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Mai 2026
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AKTUELLES
Rostocker Chirurgen initiieren Hilfsprojekt
im Jemen
Besuch der jemenitischen Botschaft in Berlin im März 2026
Die aktuellen geopolitischen sentlichen geht es um ein
Entwicklungen haben medizi- Projekt, bei dem medizini-
nische Hilfsprogramme er- sche Unterstützung für chir-
heblich unter Zugzwang ge- urgische Belange im jemeniti-
bracht. Politische und religi- schen Gesundheitssystem im
ös-motivierte Konflikte domi- Vordergrund stehen sollen.
nieren global die mediale Der Empfang war überaus
Wahrnehmung und machen herzlich und die Wertschät-
allgemeingültige Einschätzun- zung und Gastfreundschaft
gen zunehmend schwieriger. haben die monatelangen Vor-
Gleichzeitig werden staatliche bereitungen auf eine erste
Entwicklungshilfen reduziert, Reise der kleinen Gruppe von
insbesondere die USA haben v.l.: Dr. Ahmed Alwali, Redia Hussain, Dr. Mark Philipp, Botschafter Loai Ärzten in den Jemen, die für
in der aktuellen Administrati- Yahya AlEryani, Konsul Akram Mohammed AlHarazi Foto: privat Ende März 2026 geplant ist,
on unter Präsident Donald bereits emotional entlohnt.
Trump fast schon einen Paradigmenwechsel eingeläutet. Die Initiative und das Engagement zu dem Projekt ist komplett
Während die Welt in den letzten Jahren vor allem auf die Kon- unabhängig und intrinsisch, allerdings haben die Kollegen be-
flikte im Ukraine-Krieg und im Nahen Osten schaut, wird nicht sondere Unterstützung durch ihren Chef Prof. Clemens Schaf-
zuletzt durch den eskalierten Konflikt am Persischen Golf mit mayer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-,
dem Krieg gegen den Iran das Ringen um den Zugang zu Roh- Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie der Universitäts-
stoffen immer offensichtlicher. Die Welt steht Kopf und das Aus- medizin Rostock erhalten. Dr. Alwali, der ursprünglich aus dem
maß der Turbulenzen macht außenpolitische Einschätzungen Jemen stammt, wurde mit seinen Kollegen vom Rektor der Uni-
bzw. Prognosen fast unmöglich. versität Aden offiziell eingeladen. Die Planung des Hilfsprojektes
Gleichzeitig ist in einigen Ländern die Not verheerend, ohne und der Reise war dennoch nicht einfach. Die Situation im Land
dass davon in der Weltgemeinschaft noch wesentlich Notiz ge- gilt aktuell zwar als stabil, dennoch gibt es keinen nennenswer-
nommen wird. Ein Land, das für dieses Dilemma als Blaupause ten Tourismus und es mangelt an grundlegender Infrastruktur,
dienen könnte, ist der Jemen. Die Jemenitische Republik liegt was den Aufbau eines derartigen Projektes wesentlich verkom-
im Südosten der Arabischen Halbinsel und hat von dem Reich- pliziert. Die aktuelle Eskalation der Lage am Persischen Golf hat
tum der ölfördernden Nachbarstaaten kaum profitiert. Seit 2015 zudem die Reisemodalitäten erheblich gefährdet. Umso hilfrei-
hat sich die Situation gravierend verschlechtert, es herrscht hier cher war die Zusage der Unterstützung durch den jemenitischen
ein Bürgerkrieg, der relativ unstrittig als Stellvertreter-Krieg zwi- Botschafter in Berlin, Loai Yahya Al-Eryani, am 10. März 2026.
schen Saudi-Arabien und dem Iran gewertet werden kann. Der Der Botschafter konnte den Kontakt zum Premierminister und
Human Development Index (HDI) weist den Jemen auf Rang 184 dem Gesundheitsministerium bahnen, sodass die Abordnung
(von 193) aus, Deutschland übrigens auf Rang 5 [Stand 2023]. aus Rostock bereits erwartet wird. Ziel des aktuellen Besuches
Am 10. März 2026 erfolgte ein offizieller Besuch der jemeniti- ist der Austausch mit chirurgischen Kollegen und die Sondie-
schen Botschaft in Berlin durch eine Delegation der Chirurgi- rung konkreter Hilfsmaßnahmen. Über den Fortgang der Reise
schen Universitätsklinik Rostock. Redia Hussain, Assistenzärz- und das Projekt werden wir berichten!
tin, Dr. med. Ahmed Alwali, Facharzt für Chirurgie, sowie Privat-
dozent Dr. med. habil. Mark Philipp, Oberarzt der Klinik, planen Privatdozent Dr. med. habil. M. Philipp
eine Kooperation mit der Universität Aden im Jemen. Im We- EMail: mark.philipp@med.unirostock.de
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