Page 10 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Mai 2026
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AUS DER KAMMER
WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
robusten Veränderungen der Protein- und miRNA-Expression Perspektivisch könnten Exosomen somit als therapeutische
zeigen hingegen, dass direkt transfizierte Exosomen in der Vehikel für siRNAs oder miRNAs eingesetzt werden. Die präzise
Lage sind, ausreichend RNA zu transportieren, um ausgeprägte Steuerung der RNA-Fracht in Kombination mit der hohen Auf-
biologische Effekte in Podozyten und somit auch für die Filtra- nahmeeffizienz versprechen eine deutliche Verbesserung der
tionsbarriere erzielen zu können. Wirksamkeit RNA-basierter Therapien. Darüber hinaus eröffnet
Trotz dieser überzeugenden in vitro Ergebnisse bleibt die Trans- dieser Ansatz neue Perspektiven für personalisierte Therapie-
lation des Ansatzes in vivo eine Herausforderung. Frühere tier- strategien, bei denen die Exosomenbeladung individuell an das
experimentelle Studien haben gezeigt, dass systemisch appli- Krankheitsprofil der Patienten angepasst wird. Auch Kombina-
zierte Exosomen bevorzugt in Leber und Milz akkumulieren tionstherapien, bei denen mehrere RNA-Moleküle simultan
können. Ob und in welchem Ausmaß eine gezielte Ansteuerung transportiert werden, erscheinen realistisch, um komplexe pa-
von Podozyten in der Niere möglich ist, muss in zukünftigen thophysiologische Netzwerke gezielt zu beeinflussen.
präklinischen Modellen untersucht werden. Entsprechende Ar-
beiten werden derzeit unter anderem in Kooperation mit der Fazit
University of Texas Medical Branch (UTMB) in Texas (USA)
durchgeführt. Ferner wird der hier etablierte Ansatz im Rahmen Die vorliegenden Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass ein
des geförderten nTTP-GCT-Tandem-Drittmittelprojekts weiter- Exosomen-basierter RNA-Transport einen vielversprechenden
entwickelt, mit dem Ziel, effiziente und zielgerichtete RNA-The- Ansatz für die gezielte und zellschonende Behandlung von Po-
rapiestrategien für glomeruläre Zellen zu etablieren. Die in die- dozyten darstellt. Durch die Verwendung von direkt aus Podo-
ser Arbeit erzielten hohen Transfektionsraten in Podozyten zyten gewonnenen Exosomen in Kombination mit einer scho-
in vitro bilden hierfür eine wichtige methodische Grundlage. nenden direkten Beladung lassen sich kleine RNA-Moleküle mit
hoher Effizienz und geringer Toxizität in Podozyten einschleu-
Perspektiven für die Therapie von sen. Auf diese Weise können krankheitsrelevante Signalwege
Glomerulopathien gezielt moduliert werden, wodurch sich neue therapeutische
Perspektiven für die Behandlung glomerulärer Erkrankungen
Das Verfahren ExoNephX legt den Grundstein für ein neuartiges eröffnen, die sogar auf den einzelnen Patientinnen und Patien-
therapeutisches Konzept einer Exosomen-basierten RNA-The- ten zugeschnitten sein können.
rapie von glomerulären Erkrankungen. Durch die direkte Bela- Das hier vorgestellte Verfahren wurde zum Patent angemeldet.
dung von Exosomen, die zudem aus dem jeweiligen Zielzelltyp
gewonnen werden, können kleine RNA-Moleküle kontrolliert, Prof. Dr. rer. nat. Nicole Endlich
effizient und zellschonend in Podozyten eingebracht werden. Geschäftsführerin
Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit, krankheitsrelevante Sig- Literatur: Institut für Anatomie und Zellbiologie
nalwege gezielt zu modulieren und so beispielsweise zur Re- Universitätsmedizin Greifswald
duktion fibrotischer Prozesse, zur Stabilisierung der Podozy- F. Loefflerstr. 23 c | 17489 Greifswald
tenmorphologie oder zur Modulation inflammatorischer Reak- www.medizin.unigreifswald.de
tionen beizutragen. www.savethekidney.de
Bundesverdienstkreuz für Prof. Nicole Endlich
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am 16. April 2026 die Nierenforscherin Prof.
Nicole Endlich mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Bundesverdienst-
kreuz) ausgezeichnet. Er würdigt damit ihre unermüdliche Arbeit auf der Suche nach besse-
rer Hilfe für Menschen mit Nierenerkrankungen. Prof. Nicole Endlich ist seit Jahrzehnten
Treiberin in der Nierenforschung – national und international. Die Nierenforschung ist gera-
de in Mecklenburg-Vorpommern von besonderer Relevanz. In M-V liegt der Anteil von Men-
schen mit chronischen Nierenerkrankungen mit 17 Prozent signifikant über dem Bundes-
durchschnitt von 10 Prozent. PM der UMG (gekürzt von K. S.)
Foto: Hauke Meier/UMG
Seite 166 ÄRZTEBLATT MECKLENBURG-VORPOMMERN

