Page 6 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Mai 2026
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WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG




           nen RNAs scheiterte bislang häufig daran, dass das Einschleu-  ning-Mikroskopie und der hochauflösenden Super-Resolution-
           sen der Moleküle in die Zellen (Transfektion) ineffizient und   Mikroskopie untersucht. Ferner erfolgte eine quantitative Er-
           zudem zellschädigend war. So führen chemisch-basierte Trans-  fassung der RNA-Aufnahme mit Hilfe der Durchflusszytometrie.
           fektionssysteme in diesem Zelltyp häufig zu ausgeprägter Zy-
           totoxizität (8), während virale Vektoren zwar effizienter sind,   Überprüfung der Transfektionseffizienz
           jedoch mit erheblichen Sicherheits- und Zulassungsproblemen   von ExoNephX
           behaftet bleiben (9).
           In den vergangenen Jahren rückten Exosomen zunehmend in   Um zu untersuchen, ob diese neue Methode tatsächlich funkti-
           den Fokus der Forschung. Diese natürlichen extrazellulären Ve-  onelle Auswirkungen auf die Zellen hat, wurden gezielte siRNA-
           sikel spielen bei der interzellulären Kommunikation im Körper   vermittelte Knockdown Experimente mehrerer podozytärer
           natürlicherweise eine große Rolle, da sie Proteine, Lipide sowie   Proteine sowie die Überexpression einer spezifischen miRNA
           RNAs zwischen Zellen transportieren können (10). In der Neph-  durchgeführt. Veränderungen der Gen- und Proteinexpression
           rologie standen Exosomen bislang vor allem als potenzielle di-  wurden anschließend mittels RT-qPCR und Western-Blot Ana-
           agnostische Biomarker im Fokus der Forschung, insbesondere   lysen bestimmt. Parallel dazu wurden die Zellviabilität und
           im Urin von Patienten mit glomerulären Erkrankungen (11-13).   Morphologie analysiert, um potenzielle toxische Effekte auszu-
           Ihr  Potenzial  als gezielte, schonende RNA-Transportsysteme   schließen (Abb. 1) (14).
           zur Modulation von Podozyten ist dagegen bislang kaum analy-
           siert worden. Insbesondere die Frage, ob Exosomen gezielt und   Ergebnisse
           direkt mit definierten miRNAs oder siRNAs beladen und effizi-
           ent in Podozyten eingeschleust werden können, blieb weitge-  1. Charakterisierung der Exosomen
           hend unbeantwortet. Genau an dieser Stelle setzt das vorlie-  Die isolierten Exosomen zeigten eine einheitliche Struktur mit
           gende Forschungsprojekt an (14), das als ExoNephX die gezielte   einer typischen Größe von etwa 20-80 nm. Elektronenmikros-
           Beladung, den Transport und die funktionelle Wirkung von   kopische  Analysen  ergaben  keine  Hinweise  auf  Aggregation
           miRNAs und siRNAs in Podozyten mittels Exosomen unter-  oder strukturelle Schädigungen der Exosomen nach der Bela-
           sucht.                                               dung mit RNA (Abb. 2A). Der Nachweis der Markerproteine CD9
                                                                und TSG101 bestätigte zudem, dass es sich um Exosomen han-
           Die Isolierung und Beladung von Exosomen für         delt. Gleichzeitig zeigte sich, dass die direkte Transfektion der
           die ExoNephX Plattform                               Exosomen weder ihre Zusammensetzung noch die Menge der

                                                                Exosomen beeinträchtigt.
           Um Exosomen zu gewinnen und anschließend mit der ge-
           wünschten RNA zu beladen, wurde eine immortalisierte murine   2.  Aufnahmeeffizienz  und  intrazelluläre  Lokalisation  der
           Podozytenzellline verwendet, die unter standardisierten Bedin-  mit ExoNephX transfizierten RNA
           gungen kultiviert wurde. Diese Zellen geben kontinuierlich Exo-  Ein zentrales Ergebnis der Studie war die außergewöhnlich
           somen in das Zellkulturmedium ab, aus dem diese anschlie-  hohe Effizienz der Aufnahme von RNA-beladenen Exosomen
           ßend isoliert und aufgereinigt werden. Zur Beladung mit der   durch kultivierte Podozyten. Bereits wenige Stunden nach der
           gewünschten RNA wurden die isolierten Exosomen mittels ei-  Inkubation ließ sich eine intensive Fluoreszenz der markierten
           nes klassischen Verfahrens transfiziert. Die verwendeten siR-  RNA in den Podozyten nachweisen. Mikroskopische Analysen
           NAs beziehungsweise miRNAs waren fluoreszenzmarkiert, um   zeigten eindeutig, dass das Fluoreszenzsignal nicht auf einer
           die RNA-Fracht präzise verfolgen und kontrollieren zu können.  Adhäsion der Exosomen an der Zelloberfläche der Podozyten
           Die Charakterisierung der Exosomen erfolgte mittels Elektro-  beruhte, sondern dass die Exosomen tatsächlich in die Zellen
           nenmikroskopie sowie durch den Nachweis Exosomen-typi-  aufgenommen worden waren (Abb. 2B). Innerhalb der Podozy-
           scher Markerproteine wie CD9 und TSG101. Diese Analysen   ten wurde keine Anhäufung der Fluoreszenz in den abbauen-
           dienten dazu, sicherzustellen, dass es sich um intakte Exoso-  den Kompartimenten der Zellen, den sogenannten Lysosomen,
           men handelte und dass der Transfektionsprozess keine rele-  gefunden.
           vanten strukturellen Veränderungen verursachte. Für die Ana-  Die quantitative Durchflusszytometrie bestätigte diese Befun-
           lyse der erfolgreichen RNA-Aufnahme wurden verschiedene   de und zeigte, dass über 96 % der behandelten Podozyten ein
           Verfahren verwendet. Die intrazelluläre Lokalisation der fluo-  positives Fluoreszenzsignal aufwiesen. Ergänzend belegte die
           reszenzmarkierten RNAs wurde mittels konfokaler Laser-Scan-  Imaging-Durchflusszytometrie, dass das Signal intrazellulär lo-


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