Page 4 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Mai 2026
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EDITORIAL
Blickpunkt Hannover
„Ärztliche Selbstverwaltung ist weit mehr als Gremienarbeit – sie ist rufsausübung. Als TOP III wird die
Ausdruck professioneller Verantwortung für die Rahmenbe dingun Novellierung der (Muster-)Berufs-
gen ärztlicher Tätigkeit“ – dieser Satz findet sich in der Einladung ordnung behandelt. Die Vorschläge
zum Dialogforum mit jungen Ärztinnen und Ärzten der Bundesärz- zu den Änderungen werden den Ab-
tekammer (BÄK), welches mittlerweile schon traditionell am Tag geordneten von den Vorsitzenden
vor der Eröffnung des 130. Deutschen Ärztetages (DÄT) in Hanno- der Ständigen Konferenz und des
ver stattfindet. 250 Abgeordnete aller deutschen Ärztekammern Ausschusses „(Muster-)Berufsord- Foto: privat
versammeln sich vom 12. bis 15. Mai 2026 im Hannover Congress nung Dr. Wolfgang Miller (Stuttgart)
Centrum; entsprechend dem Anteil der in unserem Land tätigen und SR Dr. Josef Mischo (Saarbrücken) erläutert.
Kolleginnen und Kollegen wird Mecklenburg-Vorpommern durch Umfassender sind die Vorschläge zur Weiterentwicklung der
sechs Abgeordnete vertreten. Neben dem Dialogforum finden wei- (Muster-)Weiterbildungsordnung (TOP IV). Die Änderungen wer-
tere Veranstaltungen ärztlicher Verbände und Organisationen im den insbesondere den sogenannten Paragrafenteil (Abschnitt A)
Umfeld des Ärztetages statt, darunter auch eine Vertreterver- als auch die allgemeinen Inhalte und den Kopfteil verschiedener
sammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Gebiete und Zusatzweiterbildungen betreffen. Das klingt zunächst
Die kürzlich vorgelegten Vorschläge der Expertenkommission des einmal wenig spannend, ist aber notwendig, um die Rechtsgrund-
Bundesgesundheitsministeriums zur Stabilisierung der Finanzen lage WBO an die Realität der Weiterbildung in der täglichen Praxis
der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden sowohl im anzupassen. Zudem werden die Vorsitzenden der Ständigen Kon-
Grundsatzreferat des Präsidenten der BÄK Dr. Klaus Reinhardt als ferenz „Ärztliche Weiterbildung“ der BÄK Dr. Johannes Albert Geh-
auch im Grußwort der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken le (Münster) und Prof. Dr. Henrik Herrmann (Bad Segeberg) einen
sowie auf der KBV-Vertreterversammlung eine nicht unbedeuten- Sachstandsbericht zum eLogbuch geben und u.a. über die Evalua-
de Rolle spielen. In diesem Zusammenhang ist die Lektüre des tion der Weiterbildung berichten.
Beitrages von den Dres. Holbe und Maibaum zu diesem Thema Der Sachstandsbericht Ärztliches Personalbemessungssystem
(Seite 171–175) sehr zu empfehlen. Darüber hinaus wird der der Bundesärztekammer (ÄPS-BÄK) werden von Prof. Herrmann
Ärztetagspräsident die weiteren aktuellen Probleme in der und Dr. Susanne Johna, Vorsitzende der Arbeitsgruppe ÄPS-BÄK
Gesundheits-, Sozial- und ärztlichen Berufspolitik (TOP I) zur als Punkt V der Tagesordnung erstattet. Dabei geht es um Qualität,
Sprache bringen und dabei die auf der Tagesordnung stehenden aber auch ums Geld – nicht nur in den Kliniken, auch im Haushalt
Themen umreißen. Sein Referat und die Worte der Ministerin so- der BÄK. Dieser wird als TOP VI Bericht über die Jahresrechnung
wie der Leitantrag der BÄK zur Gesundheits-, Sozial- und ärztli- 2024/2025 von Seiten der Geschäftsführung und des Vorsitzenden
chen Berufspolitik bilden die Grundlage für die Aussprache am der Finanzkommission, TOP VII Entlastung des Vorstandes der
Nachmittag der Eröffnung. Die zahlreichen und vielschichtigen BÄK und TOP VIII Haushaltsvoranschlag für das Geschäftsjahr
Aspekte der ärztlichen Berufsausübung werden dann in der letz- 2026/2027 behandelt. Der Haushalt der Bundesärztekammer wird
ten Sitzung des Ärztetages am Freitag behandelt. Hier ist eine ganz überwiegend von den Beiträgen der Landesärztekammern
wahre Antragsflut zu erwarten und zu bewältigen. getragen; dieser hängt wiederum von der Zahl der Ärzte im Kam-
Ein Schwerpunktthema des Ärztetages ist die Suchtmedizin im merbereich ab.
Wandel – Ärztliche Verantwortung zwischen Prävention, Versor- Der eingangs zitierte Satz aus der Einladung zum Dialogforum
gung und Regulierung (TOP II). Hierzu werden der Sucht- und Dro- kann sicher auch als Motivation für alle in der Selbstverwaltung
genbeauftragte der Bundesregierung Prof. Dr. Hendrik Streeck, die engagierten Kolleginnen und Kollegen gelten. Mit dem Dialogfo-
Chefärztin der Klinik für Suchtmedizin am Klinikum Mühlhausen rum wird insbesondere die jüngere Generation angesprochen, sich
Dr. Katharina Schoett und Prof. Dr. med. Norbert Scherbaum, Kli- für ihre ureigensten Interessen, aber auch die ihrer Patienten ein-
nik für Psychiatrie und Psychotherapie Essen und Vorstandsvorsit- zusetzen. Zugleich ist es auch ein Aufruf zur aktiven Beteiligung an
zender der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V., referieren. der im Herbst d.J. bevorstehenden Wahl unserer Ärztekammer.
Das Thema Sucht und Drogen gewinnt zunehmende Bedeutung in Der Deutsche Ärztetag ist eine arzt-öffentliche Veranstaltung, d. h.
der gesamten Gesellschaft und auch im ärztlichen Alltag über jeder und jede, die sich als Arzt ausweisen können, können daran
Fachgebietsgrenzen hinweg, so dass eine lebhafte Diskussion und teilnehmen. Das Dialogforum und die Eröffnungsveranstaltung
Impulse zur Bewältigung des Problems zu erwarten sind. sollen als Videostream übertragen werden; zum Zeitpunkt der
Hauptaufgaben der ärztlichen Selbstverwaltung sind die Weiter- Drucklegung sind die Daten dafür noch nicht bekannt.
und Fortbildung sowie die Rahmenbedingungen ärztlicher Be- Dr. Wilfried Schimanke
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