Page 34 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Juni 2026
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AUS DEM VORSTAND


           Nachgefragt: Ärztinnen und Ärzte zwischen


           Ostsee und Seenplatte



           Ein Interview mit Prof. Dr. med. Rudolf Guthoff*



           Dr. Placke: Sie sind nun schon seit ein paar Jahren aus der kli-
           nischen Verantwortung entlassen: Wie geht es Ihnen jetzt? Ist
           es ein Unruhestrand oder ein Ruhestand?


           Prof. Guthoff: Es ist schon ein Unruhestand, aber im positiven
           Sinne. Es ist eher die Frage; nimmt man sich zu viel vor oder hat
           man sich zu viel vorgenommen.


           Dr. Placke: Sie sind auch Mitglied der Leopoldina, wie ist es   Dr. Placke im Gespräch mit Prof. Rudolf Guthoff                            Foto: ÄKMV
           dazu gekommen?

           Prof. Guthoff: Mich hat ein offenbar mir gewogenes und leider   en Star erblindeten Kinder weitestgehend unversorgt. Wir ha-
           inzwischen  verstorbenes  Mitglied  der  Leopoldina  angespro-  ben uns deshalb entschieden, uns schwerpunktmäßig darum zu
           chen und ich habe gerne zugesagt. Aktuell bin ich Mitglied einer   kümmern. Inzwischen sind seit 2001 ca. 1500 Kinder operiert
           Arbeitsgruppe, die an Empfehlungen zur Reform des Gesund-  worden. Und das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“, was die chirurgi-
           heitssystems arbeitet. Es gilt herauszuarbeiten, dass es sich   schen  Maßnahmen  betrifft,  ist  weitgehend  aufgegangen.  Die
           dabei um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt. Eine   Finanzierung vor Ort bleibt aber ein ungelöstes Problem.
           wirklich große Herausforderung.
                                                                Dr. Placke: Sie sind auch sehr engagiert bei der ärztlichen Wei-
           Dr. Placke: Erzählen Sie uns von Ihrer Tätigkeit in Afrika.   terbildung. Sehen Sie die Entwicklung dahingehend kritisch
                                                                oder sind Sie zufrieden?
           Prof. Guthoff: Es wurde in unserer Fachgesellschaft einmal die
           Parole ausgegeben, dass jede Universitätsklinik Kontakt zu ei-  Prof. Guthoff: ich formuliere es mal so: Wir haben in Deutsch-
           ner Partnerklinik in den so genannten Low and Middle-Income-  land einer der höchsten Augenarztdichten der Welt, aber schaf-
           Settings [Anm. d. Red.: Länder/Regionen mit niedrigem oder   fen unsere Arbeit nicht. Jetzt können wir darüber nachdenken,
           mittlerem Einkommensniveau] haben sollte und so sind wir im   warum das so ist.
           Jahr 2000 in Kinshasa gelandet.
           Was mich derzeit umtreibt  ist, dass  einerseits die  Geldgeber   Dr. Placke: Liegt es daran, dass zu viele dieser Augenärzte, die
           (Else Kröner, Fresenius-Stiftung) zu Recht sagen, dass das Geld   ja eigentlich in der Fläche fehlen, an den Kliniken sind? Ist es
           nachhaltig eingesetzt werden muss. Wir sind nun dabei zu   nicht mehr lukrativ sich als Augenarzt niederzulassen?
           schauen, was definieren wir als „nachhaltig“? Zum Hintergrund:
           Weltweit gibt es 40 Millionen Blinde und die Hälfte leidet „nur“   Prof. Guthoff: Ich glaube, es ist auch weiterhin eine dankbare
           am Grauen Star, der sich gut operieren lässt, aber das geschieht   Aufgabe in eigener Praxis als Augenarzt tätig zu sein, zumal vie-
           dort selten. Zur Versorgungslage: Bei uns gibt es 100 Augenärzte   le chirurgische Eingriffe in diesem Rahmen durchgeführt wer-
           auf eine Million Einwohner, dort in der Demokratischen Republik   den können. Ob die Anzahl der Arzt-Patienten-Kontakte, bei
           Kongo (DRC) nur einen pro eine Million. Die chirurgische Qualität   denen wir in Deutschland ebenfalls eine Spitzenposition ein-
           ist recht unterschiedlich, in jedem Fall blieben aber die am Grau-  nehmen, nicht reduziert werden sollte – darüber ist dringend
                                                                nachzudenken.
           1  Prof. Dr. med. Rudolf Guthoff ist Facharzt für Augenheilkunde und lebt in Rostock, wo
           er u.a. Direktor der Augenheilkunde an der UMR war. Er ist jüngst zum Ehrenmitglied
           der Deutschen Opthalmologischen Gesellschaft (DOG) ernannt worden und Mitglied   Dr. Placke: Wir machen uns als Ärztekammer und damit als
           der Leopoldina. Er gilt über die Landesgrenzen hinaus als Experte in der bildgeben-
           den Diagnostik in der Augenheilkunde.                Selbstverwaltung auch Sorgen über die zunehmende Ökono-

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