Page 36 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Juni 2026
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AUS DEM VORSTAND
Dr. Placke: Die politische Willensbildung ist ein großes Prob- Dr. Placke: Auch da braucht es wieder mehr Ehrlichkeit. Das
lem. Oft haben die politischen Entscheidungen nichts mit Ver- sehe ich auch als Aufgabe von uns Ärzten – aufzuklären und in
nunft zu tun. unserer Darstellung darauf hinzuweisen, dass es nicht so
weiterlaufen kann. Auch global gesehen, in Verantwortung für
Prof. Guthoff: Wir brauchen in der Tat großen politischen Mut, die Patienten.
die Dinge so anzusprechen, dass die Bevölkerung versteht, das
selbst der Gesundheitsbegriff immer wieder zu hinterfragen ist Prof. Guthoff: Die Frage stellt sich auch nach dem Menschen-
und die Eigenverantwortung des Patienten einer der Schlüssel bild. Was stellen wir uns unter einem Arzt vor? Der Arzt muss
für ein finanzierbares Gesundheitssystem ist. Goethe: „Gesund- die Vorreiterrolle in dieser Gesellschaft (bei medizinischen Fra-
heit ist eine Tugend, um die wir uns jeden Tag bemühen müssen.“ gestellungen) erfüllen können.
Es kommt mit großen Schritten auf uns zu, oder wir sind schon
voll dabei, dass das Machbare nicht mehr bezahlbar ist. Und wir Prof. Guthoff, vielen Dank für das Gespräch.
sagen es nicht laut genug.
Das Interview führte Dr. Jens Placke
AKTUELLES
Geringe PJ-Vergütung bedeutet Standort-
nachteil für Mecklenburg-Vorpommern
Ein Gastbeitrag von Antonia Friedrich*
Das Praktische Jahr (PJ) – für viele Studierende der letzte, lang unterschiedlich, von keiner Vergütung bis zum BAföG Höchst-
ersehnte Abschnitt des Studiums – für Andere ein beängstigen- satz (992 Euro), wie in Sachsen-Anhalt an der Universitätsmedi-
der Gedanke. zinen Halle und Magdeburg.
Nicht nur beängstigend, weil es den Einstieg ins Berufsleben nä- Erschwerend kommt hinzu, dass es gewisse Fallstricke gibt. Mit
herbringt, inklusive der umfangreichen Verantwortung für Pati- Vollendung des 25. Lebensjahres erlischt der Kindergeldan-
enten und Patientinnen, sondern auch aufgrund der Vielzahl spruch und man fällt aus der Familienversicherung der Kranken-
von Zukunftsfragen. Es beginnt mit „einfachen“ Gedanken wie kasse, wodurch man sich selbst versichern muss. In Zahlen be-
„Wo mache ich mein PJ?“ und „In welchem Fach absolviere ich deutet dies, dass 259€ (Kindergeld) als „Einnahme“ wegfällt und
mein Wahltertial?“ und dehnt sich aus zu Fragen wie „Wie finan- als Ausgabe ca. 150€ (studentische Krankenversicherung) dazu-
ziere ich mein PJ?“ oder „Was passiert, wenn ich im PJ krank wer- kommen. Zudem ist es, im Gegensatz zum restlichen Studium,
de?“. Fragen bezüglich individueller Entscheidungen bis hin zu sehr schwer einem Job neben dem PJ nachzugehen und nur ein
strukturellen Problemen. Bruchteil der Medizinstudierenden BAföG erhält.
Aber es gibt einen Lichtblick bezüglich der strukturellen Proble- Somit stehen auf der Einnahmenseite eine bundesweit unein-
me: im aktuellen Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD heitliche Vergütung und auf der Ausgabenseite die auch für die
wurde die Optimierung des PJ aufgenommen: „Wir wollen eine Studierenden steigenden Lebenshaltungskosten.
Vergütungsstruktur im Praktischen Jahr (PJ) modernisieren, die Diese uneinheitliche Vergütungssituation erzeugt in Mecklen-
mindestens dem BAföG-Satz entspricht und wollen eine gerechte burg-Vorpommern nicht nur einen finanziellen Standortnach-
und einheitliche Fehlzeitenregelung schaffen.“ teil, sondern auch generell eine soziale Ungerechtigkeit in Bezug
Während die Fehlzeitenregelung Teil der Approbationsordnung auf die finanzielle Unterstützung des Elternhauses.
ist und somit eine Regelung auf Bundesebene, ist die Vergütung Wir als Fachschaft Medizin Greifswald setzen uns daher intensiv
im Rahmen der Finanzierung von Forschung und Lehre Lan- dafür ein, dass die PJ-Vergütung in Mecklenburg-Vorpommern
desaufgabe. Die Vergütungsstruktur ist derzeit bundesweit sehr von derzeit 400 Euro auf den BAföG-Höchstsatz von 992 Euro
angehoben wird. Nicht nur, um für die Studierenden die finanzi-
1 Fachschaftsvorsitzende Medizin, Universitätsmedizin Greifswald elle Situation zu verbessern, sondern auch um Studierende aus
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