Page 35 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Juni 2026
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AUS DEM VORSTAND
misierung. Wir beobachten die Bildung von MVZ und von Ket- gabe eines Medizinstudienplatzes aus Ihrer Sicht auch schon an
ten, die Praxen aufkaufen. Haben Sie ein Mittel gegen die eine ethische Kompetenz gebunden werden?
Ökonomisierung?
Prof. Guthoff: Ich glaube, das wird nicht funktionieren, weil
Prof. Guthoff: Darauf habe ich keine einfache Antwort, denn man diese Kompetenz nicht messen kann. Ich habe vor diesem
sobald ein Behandlungskonzept auf den Prüfstand gestellt Hintergrund vor Jahren eine Seminarreihe „Einführung in Glo-
wird, bricht ein Sturm der Entrüstung aus. bal-Health“ ins Leben gerufen, sie existiert immer noch und
richtet sich an Vorkliniker und Kliniker. Das könnte etwas Gutes
Dr. Placke: Wir müssen mehr Ärzte ausbilden und nicht so viele sein, wenn man beobachtet, welche Aufgaben transkulturell
Mediziner, haben Sie mal gesagt. Wie schaffen wir das? Wo ist auf uns warten.
der Fehler?
Dr. Placke: Das ist ein wichtiger Punkt für die Ausbildung und
Prof. Guthoff: Man muss schon bei den jungen Menschen an- Forschung. Wir haben heute eine deutlich digitalere Medizin,
fangen und ihnen den Spaß vermitteln. Eigentlich ist es ganz vermissen aber Lehrstühle für Digitalisierung in der Medizin. Ich
leicht. Man bekommt schnell berufliche Befriedigung, kann glaube schon, dass wir da einen Nachholbedarf haben, wenn
Menschen helfen und Geld bekommt man auch noch dafür. wir uns die globalen Herausforderungen ansehen. Gibt es aus
Ihrer Sicht etwas, was wir im Medizinstudium nicht mehr brau-
Dr. Placke: Nun haben Sie in Ihrer langjährigen Tätigkeit schon chen? Oder ändert sich das Berufsbild?
einige Ehrungen erhalten, kürzlich sind Sie sogar in die Hall of
Fame [Anm. der Red.: Die „Hall of Fame Ophthalmologie“ ist eine Prof. Guthoff: Ganz offenbar ist das der Fall, wenn wir die Rah-
Einrichtung der Gesellschaft der Deutschen Ophthalmochirur- menbedingungen, die dem System vorgegeben sind, mitbewäl-
gen] aufgenommen worden. Können Sie darüber etwas erzählen? tigen müssen. Zu Ihrer ersten Frage: Vielleicht sollte man über-
legen, statt eines detailreichen Auswendiglernens lieber so et-
Prof. Guthoff: Darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich glaube, was wie ethische Kompetenz und die klare Trennung von Effizi-
es hängt auch damit zusammen, dass wir hier in Rostock die enz und Effektivität im Berufsalltag zu vermitteln. Wir belügen
Augenheilkunde immer interdisziplinär betrieben haben. uns doch selbst, wenn wir uns nicht mit der Frage der Rationie-
rung beschäftigen. Wir müssen doch der Bevölkerung sagen
Dr. Placke: Gibt es einen Moment, der für Sie am schönsten können, dass wir uns alles, auch unter bestimmten Bedingun-
war oder bei dem Sie sagen würden, das würden Sie anders gen Wünschenswerte nicht mehr leisten können. Es ist ganz
machen, das war ein Fehler? wichtig, dass wir darüber eine gesamtgesellschaftliche Diskus-
sion führen.
Prof. Guthoff: Ich war in zwei Amtsperioden Dekan und ich
habe vielleicht nicht die Diplomatie besessen, die man im Um- Dr. Placke: Wir Ärzte müssen diesen Diskurs mitgestalten. Wir
gang mit der Politik benötigt. müssen die Grenzen kommunizieren. Haben Sie einen weiteren
Auftrag an die Ärztekammer?
Dr. Placke: Wenn Sie der Ärztekammer etwas ins Aufgaben-
buch schreiben müssten, was die nächsten Jahre wichtig wäre, Prof. Guthoff: Wir müssen bei der Indikationsstellung transpa-
was wäre das? rent sein und sauber trennen zwischen wirtschaftlichem und
Patientennutzen. Eine Global-Health-Betrachtung könnte helfen.
Prof. Guthoff: Die ärztliche Tätigkeit muss wieder in den Mit-
telpunkt gestellt werden. Dafür müssen die nächsten Generati- Dr. Placke: Es gibt ja bereits Studien, wie viel man mit wenig
onen schon in der studentischen Ausbildung an dieses Grund- Mitteln erreichen kann. Wir sehen das beispielsweise bei der
verständnis herangeführt werden. Zuckersteuer in Schottland, wo bereits nachgewiesen ist, dass
Adipositas bei Schulkindern zurückgegangen ist. Vor allem im
Dr. Placke: Wir sind dabei, uns früh um die Studierenden zu Herz-Kreislauf-Bereich und im Public Health Bereich ist Präven-
kümmern und planen auch mehrere Veranstaltungen. Aber ei- tion essentiell.
gentlich beginnen unsere Aufgaben erst mit der Approbation,
wenn die Absolventen Kammermitglied werden. Sollte die Ver- Prof. Guthoff: Dem kann ich nur zustimmen.
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