Page 31 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Mai 2026
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AKTUELLES
vorgeschlagenen Interventionen umfassten dabei sowohl das Die hohe Umsetzungsrate der vorgeschlagenen pharmazeuti-
Absetzen, Pausieren oder die Substitution der NSAR als auch die schen Interventionen in unserem Kollektiv spricht zudem für den
Prüfung der leitliniengerechten antihypertensiven Therapie und praktischen Nutzen klinisch-pharmazeutischer Mitbetreuung.
ggf. engmaschiges Monitoring der Nierenfunktion. Die vorge- Auch publizierte Arbeiten zu pharmazeutisch begleiteten Warn-
schlagenen pharmazeutischen Interventionen wurden in 17 von systemen und strukturierten Medikationsprüfungen weisen da-
23 Fällen durch das ärztliche Personal umgesetzt (74 %). rauf hin, dass solche Ansätze geeignet sein können, Risikokons-
tellationen frühzeitig zu identifizieren und präventive Maßnah-
Diskussion men anzustoßen. 5
Die vorliegenden Beobachtungen zeigen, dass Triple-Whammy- Fazit für die Praxis
Konstellationen im klinischen Alltag eine wichtige Rolle spielen.
Dies steht im Einklang mit publizierten Daten aus dem stationä- Die Kombination aus RAAS-Hemmer, Diuretikum und NSAR stellt
ren Bereich, die sowohl für allgemeine Krankenhauspopulatio- eine relevante Arzneimittelinteraktion dar. Besonders bei älteren
nen als auch für chirurgische Stationen eine weiterhin relevante Patientinnen und Patienten sollte diese Konstellation bewusst
Prävalenz solcher Verordnungskombinationen beschreiben. berücksichtigt werden. Eine strukturierte Medikationsanalyse
5
Besondere Aufmerksamkeit erfordert das chirurgische Setting, kann dazu beitragen, diese Interaktion frühzeitig zu erkennen
da hier bei vielen Patientinnen und Patienten mehrere Risikofak- und das Risiko arzneimittelbedingter Nierenfunktionsstörungen
toren für eine akute Nierenfunktionsstörung zusammenkommen zu reduzieren. Ist eine Kombination nicht zu vermeiden, sollte die
können. Hierzu zählen insbesondere höheres Lebensalter, vorbe- Nierenfunktion engmaschig kontrolliert werden. Die „Klug
stehende Niereninsuffizienz, perioperative Veränderungen des entscheiden“-Initiative der DGIM rät explizit davon ab, NSAR bei
Volumenstatus sowie die Exposition gegenüber potenziell neph- Patientinnen und Patienten mit Diuretika und RAAS-Blockern
rotoxischen Arzneimitteln. einzusetzen, da das Risiko für eine akute Nierenschädigung deut-
Bemerkenswert ist, dass in unserem Kollektiv ein Großteil der lich steigt. Als alternative Analgetika werden beispielsweise Me-
identifizierten Konstellationen erst im stationären Verlauf ent- tamizol, Tilidin oder Tramadol genannt. Für entzündliche musku-
stand, während ein weiterer Teil bereits bei Aufnahme als ambu- loskelettale Beschwerden ggf. die Anwendung von Glucocortico-
lante Vormedikation bestand. Dies deutet darauf hin, dass so- iden unter Berücksichtigung individueller Risiken. 6
wohl die Prüfung bestehender Dauermedikation bei Aufnahme Literatur:
als auch die kritische Bewertung neu angesetzter Analgetika im Benjamin Ziehr, Apotheker,
stationären Verlauf für die Prävention dieser Arzneimittelinterak- Universitätsmedizin Rostock
tion relevant sind. EMail: Benjamin.Ziehr@med.unirostock.de
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