Page 30 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Mai 2026
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AKTUELLES
Triple-Whammy: potenziell nephrotoxische
Arzneimittelkombination im chirurgischen
Klinikalltag
Abstract lisiert: Prostaglandine fördern die Vasodilatation der afferenten
Arteriole und damit den renalen Blutfluss, während Angiotensin
Die gleichzeitige Anwendung eines Renin-Angiotensin-Aldo- II vorwiegend eine Vasokonstriktion der efferenten Arteriole be-
steron-System-(RAAS)-Hemmers, eines Diuretikums und wirkt und so den Filtrationsdruck aufrechterhält.
1,2
eines nichtsteroidalen Antirheumatikums (NSAR) wird als RAAS-Hemmer führen zu einer Dilatation der efferenten Arteriole
„Triple-Whammy“ bezeichnet und ist mit einem signifikant und senken den Filtrationsdruck. Diuretika vermindern das intra-
erhöhten Risiko für eine akute Verschlechterung der Nie- vasale Volumen und damit die renale Perfusion. NSAR hemmen
renfunktion assoziiert. Trotz bekannter pathophysiologi- die Prostaglandinsynthese und reduzieren vorwiegend die Vaso-
scher Mechanismen tritt diese Arzneimittelkombination im dilatation der afferenten Arteriole. Durch das Zusammenwirken
klinischen Alltag weiterhin regelmäßig auf. dieser Effekte kann die glomeruläre Filtrationsrate deutlich ab-
Im Rahmen der klinisch-pharmazeutischen Betreuung der nehmen und eine akute Nierenschädigung begünstigt werden. 3,4
Neurochirurgie (NCH) sowie der Klinik für Allgemein-, Visze-
ral-, Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie (ACH) Fallvignette
eines Universitätsklinikums wurden 23 Fälle identifiziert,
in denen die potenziell nierenfunktionsverschlechternde Bei einer 59-jährigen Patientin mit arterieller Hypertonie wurde
Triple-Whammy-Konstellation vorlag. Die Ergebnisse unter- im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs eine postoperative
streichen die Relevanz strukturierter Medikationsanalysen Schmerztherapie eingeleitet. Die ambulante Dauermedikation
zur Prävention unerwünschter Arzneimittelereignisse. bestand aus Valsartan 160 mg p.o. (1-0-1) sowie Torasemid 5
mg p.o. (1-0-0). Postoperativ wurde zur Analgesie zusätzlich
Einleitung Ibuprofen 600 mg p.o. dreimal täglich verordnet. Innerhalb von
zwei Tagen kam es zu einem Abfall der geschätzten glomerulä-
Arzneimittelbedingte Nierenfunktionsstörungen stellen eine kli- ren Filtrationsrate (eGFR) von 90 ml/min/1,73 m² auf 31 ml/
nisch relevante Komplikation dar, insbesondere bei älteren Pati- min/1,73 m². Klinische Hinweise auf eine andere Ursache der
entinnen und Patienten, bei vorbestehender Niereninsuffizienz Nierenfunktionsverschlechterung konnten nicht festgestellt
sowie im Kontext von Multimorbidität und Polypharmazie. In werden. Nach Absetzen des NSAR zeigte sich eine rasche Erho-
chirurgischen Fachgebieten kommt hinzu, dass perioperative lung der Nierenfunktion.
Veränderungen des Volumenstatus sowie die häufige Anwen-
dung ggf. nephrotoxischer Antiinfektiva zusätzliche Risikofakto- Beobachtungen aus dem klinischen Alltag
ren darstellen.
Der Begriff „Triple-Whammy“ beschreibt die gleichzeitige Anwen- Im Rahmen der klinisch-pharmazeutischen Betreuung der Neu-
dung eines Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)-Hem- rochirurgie (NCH) sowie der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Tho-
mers, eines Diuretikums und eines nichtsteroidalen Antirheuma- rax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie (ACH) eines Universi-
tikums (NSAR). Pharmakoepidemiologische Studien konnten tätsklinikums wurden dokumentierte Fälle von Triple-Whammy-
zeigen, dass diese Kombination mit einem signifikant erhöhten Konstellationen ausgewertet.
Risiko für ein akutes Nierenversagen einhergeht, insbesondere Insgesamt wurden 23 Fälle identifiziert, davon entfielen 17 auf
innerhalb der ersten 30 Tage nach Therapiebeginn (Rate Ratio die Neurochirurgie und sechs auf die Klinik für Allgemein-, Visze-
1,82; 95 %-Konfidenzintervall 1,35–2,46). 1 ral-, Thorax-, Gefäß- und Transplantationschirurgie.
Die zugrunde liegenden Mechanismen beruhen auf einer additi- Das mittlere Alter der Patientinnen und Patienten betrug 69 Jah-
ven Beeinträchtigung der renalen Autoregulation. Unter physio- re (Spannweite 59–85 Jahre). In 14 Fällen entstand die Konstella-
logischen Bedingungen wird die glomeruläre Filtrationsrate tion im stationären Setting, in neun Fällen bestand sie bereits
durch den Tonus der afferenten und efferenten Arteriolen stabi- ambulant. Die im Rahmen der pharmazeutischen Betreuung
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