Page 34 - Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern, Mai 2026
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AKTUELLES



           Gestern standen wir am Abgrund und heute

           sind wir einen Schritt weiter




           Ein Gastbeitrag von Dr. Uwe Rühlow




           Der Hausarztmangel… scheinbar ein medialer Dauerbrenner.   wirklich so viel leistungsfähiger ist gegenüber einer Einzelpra-
           Und langsam kann man es nicht mehr hören, folgen doch im   xis. Und zwar in relativen Zahlen, also pro Arzt, egal, ob frei-
           Zusammenhang mit diesem bis zum Erbrechen strapazierten   beruflich oder angestellt.
           Wort stetig neue Versuche, die Dinge erfolgreich zu klären.   Und nun kommt der ganz große Knall. Die Apotheken sollen
           Aber es sind eben nur Versuche. Keine Lösungen. Leider.  es richten, dumm nur, dass laut OZ die Zahl der Apotheken in
           Die Landarztquote ist an sich ein richtiger Schritt, ermöglicht   M-V abnimmt. Und sicher dürfte der Apotheker, welcher z.B.
           sie doch das Studium für jene, die mit NC und dem Ergebnis   Impfungen vornimmt, Post von seiner Berufshaftpflichtversi-
           des für mich vollkommen sinnlosen ZVS-Tests (heißt das noch   cherung bekommen. Nur mal so als Denkanstoß.
           so?) keine Chance hätten. Wenn alles optimal läuft, werden
           die ersten Kollegen 2031 frühestens mit der Tätigkeit begin-  FAZIT:
           nen. Für zehn Jahren in einer Region arbeiten, die von Unter-  1.)  Es wird Nachwuchs ausgebildet, aber der lässt noch lange
           versorgung bedroht oder bereits betroffen ist, so steht es im   auf sich warten. Ob er dann dort ankommt, wo man ihn
           Vertrag. Wenn aber der Kampf um die menschlichen Ressour-  gerne sehen würde, ist ungewiss. Der Markt wird es regeln.
           cen es notwendig macht, werden 250.000 Euro Strafe bei Ver-  2.)  Neue Kollegen für die ambulante Versorgung sollen aus
           tragsbruch einen möglichen Interessenten (z.B. einen finanz-  dem klinischen Bereich gewonnen werden, die dort dann
           kräftigen MVZ - Betreiber) nicht abhalten, dieses Geld zu in-  selbstverständlich fehlen. Macht aber nichts, ersetzen wir
           vestieren und schon ist der neue Kollege weg. Die Summe   durch zugewanderte Fachkräfte. Die fehlen dann selbst-
           kann man wahrscheinlich als Betriebsausgabe steuerlich so-  verständlich in ihrer Heimat. Scheint aber selbstverständ-
           gar noch geltend machen.                                lich und akzeptabel zu sein für die Entscheidungsträger.
           Eine noch recht neue Idee ist der Quereinsteiger – Hausarzt,   3.)  Klinisch tätige Kollegen sollen in unterversorgten Regio-
           gedacht für jene, die nicht mehr in der Klinik arbeiten wollen.   nen ambulant tätig werden. Wenn es dort überhaupt ent-
           Um sie aber in M-V zu halten. Wer übrigens die Klinik verlassen   sprechende Kapazitäten gibt. Und so doch, versuchen wir
           möchte, weil er meint, es wäre draußen ruhiger, sollte besser   die noch zu minimieren, siehe 2.).
           gleich in der Klinik bleiben. Nebenbei sei noch erwähnt, dass   4.)  Apotheken sollen helfen, befinden sich aber in der Fläche
           diese Kollegen zwangsläufig in den Kliniken als Arbeitskräfte   auf dem Rückzug.
           fehlen.
           Und das ist der fließende Übergang zum Ergebnis des nächs-  Und warum lässt sich nie einer der Entscheidungsträger mal
           ten Lösungsvorschlags. Die engere Verzahnung von ambulant   in den Praxen sehen? Ohne seine Entourage, quasi als Haus-
           und stationär… die enge Verzahnung ist für mich seit Jahren   besuch. Mein letzter Chef sagte immer, wenn man nicht wei-
           gelebte Realität. Die enge Verzahnung soll ja vor allem in un-  terkommt, einfach mal hinfahren bei der nächsten sich bie-
           terversorgten Gebieten die eierlegende Wollmilchsau darstel-  tenden Gelegenheit. Oft sieht man vor Ort Dinge, die am eige-
           len. Ich gehe mal davon aus, dass in ambulant unterversorg-  nen Schreibtisch verborgen bleiben.
           ten Regionen auch die Kliniken (wenn sie denn noch vorhan-  Ich glaube für mein Berufsleben an keine Verbesserungen
           den sind) große Schwierigkeiten haben, Kollegen zu finden.   mehr, wäre eigentlich schon froh, wenn nichts noch schlim-
           Eine weitere Lösung sind die MVZ.  Aber bewältigen angestell-  mer/schlechter wird. Und bin mir sicher, schlimmer/schlechter
           te Ärzte in einem MVZ das Arbeitspensum eines Niedergelas-  noch zu erleben.
           senen? In der Politik favorisiert man neuerdings ja auch die
           Zusammenschlüsse von Kollegen in Praxen. Letzteres freibe-                                 Dr. Uwe Rühlow,
           ruflich und/oder angestellt. Hier wäre es interessant zu wis-                   Hausarzt in Bergen auf Rügen
           sen,  ob  eine  Gemeinschaftspraxis/BAG/Praxisgemeinschaft


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